Pelacarsen-Studie: Ist Lp(a) wirklich ein Risikofaktor fürs Herz?
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„Mein Lp(a)-Wert ist erhöht – ist das wirklich ein Risikofaktor für mein Herz, oder nur ein Marker, über den ich mir nicht allzu viele Sorgen machen muss?“ Diese Frage hören wir in der Sprechstunde immer häufiger, seit der Lipoprotein(a)-Test in den letzten Jahren bekannter geworden ist. Eine aktuelle Studie liefert dazu neue, aber auch ernüchternde Erkenntnisse.
Lp(a) als Risikofaktor: Was zeigt die neue Studie?
Lipoprotein(a), kurz Lp(a), ist ein Blutfett-Partikel, dessen Spiegel zu rund 90 % genetisch festgelegt ist – Ernährung oder Lebensstil haben kaum Einfluss darauf. Etwa jede fünfte Person weltweit hat erhöhte Werte, die mit einer schnelleren Ablagerung von Plaques in den Gefässen und damit einem höheren Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall in Verbindung gebracht werden. Anfang September 2026 veröffentlichte Novartis die Ergebnisse der grossen Lp(a)HORIZON-Studie: Über 8300 Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Lp(a) und bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung erhielten den Wirkstoff Pelacarsen, der die Lp(a)-Produktion in der Leber hemmt. Das Ergebnis: Der Lp(a)-Spiegel sank deutlich – doch das führte nicht zu weniger Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Todesfällen im Vergleich zur Placebogruppe.
Risikomarker oder Ursache – ein wichtiger Unterschied
Genetische Studien hatten in den letzten Jahren nahegelegt, dass Lp(a) nicht nur mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht, sondern diese tatsächlich mitverursacht. Fachgesellschaften wie die American Heart Association stufen Lp(a) auf dieser Grundlage bislang als ursächlichen Risikofaktor ein. Die neue Studie stellt diese Einschätzung nicht grundsätzlich infrage, wirft aber eine berechtigte Frage auf: Wenn eine deutliche Senkung des Lp(a)-Spiegels keine messbare Verbesserung bringt, reicht die reine Senkung des Wertes allein nicht aus? Oder war die untersuchte Patientengruppe – deren übrige Risikofaktoren, etwa das LDL-Cholesterin, bereits sehr gut eingestellt waren – schlicht zu gut behandelt, um einen zusätzlichen Effekt sichtbar zu machen? Die vollständigen Studiendaten werden noch auf einem grossen kardiologischen Kongress vorgestellt und anschliessend publiziert. Weitere Wirkstoffe mit noch stärkerer Lp(a)-Senkung befinden sich derzeit in der Prüfung und könnten zusätzliche Klarheit schaffen.
Was das für Sie bedeutet
Aktuell gibt es kein zugelassenes Medikament, das gezielt den Lp(a)-Spiegel senkt und dabei nachweislich das Herz-Kreislauf-Risiko reduziert. Lp(a) bleibt als Risikofaktor dennoch ein sinnvoller Baustein der Risikoeinschätzung – er hilft uns einzuschätzen, wie konsequent andere, gut beeinflussbare Faktoren wie LDL-Cholesterin, Blutdruck, Gewicht und Rauchen angegangen werden sollten. Ein hoher Lp(a)-Wert ist also kein Grund zur Resignation, sondern eher ein Ansporn, die Faktoren zu optimieren, die wir gemeinsam tatsächlich beeinflussen können.
Sprechen Sie uns jederzeit an, wenn Sie Fragen zu Ihrem persönlichen Lp(a)-Wert oder Ihrem individuellen Herz-Kreislauf-Risiko haben.
Ihr Team des Stoffwechselzentrums St. Gallen

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